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Frauen.Rechte

Landesmuseum Zürich | 5.3.2021 - 18.7.2021
publiziert am 2.3.2021

Von der Aufklärung bis in die Gegenwart

50 Jahre nach der Einführung des Frauenstimmrechts in der Schweiz schaut eine Sonderausstellung auf den Kampf für die Menschen- und Bürgerrechte der Frauen von der Aufklärung bis in die Gegenwart.

Paris, 26. August 1789: Die französische Nationalversammlung verkündet die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte. Sie ist geprägt vom Gedankengut der Aufklärung und hält erstmals das Recht auf Freiheit, das Recht auf Eigentum, das Recht auf Sicherheit und das Recht auf Widerstand gegen Unterdrückung fest. Die Erklärung billigt diese Rechte allen Menschen zu, konkret gemeint sind aber ausschliesslich freie Männer, obwohl gerade auch Frauen während der Revolution für gleiche Rechte kämpfen.

Rund 50 Jahre später tritt in der Schweiz die moderne Bundesverfassung in Kraft. Sie schreibt die Rechtsgleichheit für alle christlichen Schweizer fest, schliesst jedoch die Frauen aus. Als Argument wird unter anderem vorgeschoben, dass nur wer Wehrdienst leiste, auch ein politisches Mitbestimmungsrecht besitze. So benachteiligt auch der junge Schweizer Bundesstaat Frauen rechtlich auf allen Ebenen: in der Politik, im Alltag, in der Bildung und in der Arbeitswelt. Die Gesellschaft nimmt die Frau noch nicht als selbstbestimmendes Individuum wahr, sondern stets im Verhältnis zu einem Mann: Sie ist Mutter, Ehefrau, Schwägerin oder Tochter.

Die Schweizerinnen bleiben sehr lange von politischen Rechten ausgeschlossen und im Zivilrecht benachteiligt. Der lange Kampf zur politischen Gleichberechtigung beginnt sich im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts abzuzeichnen. Er ist gepflastert mit unzähligen Vorstössen, gescheiterten Abstimmungen und Demonstrationen. 1971 – vor genau 50 Jahren – wird das Frauenstimmrecht endlich Realität. Zehn Jahre später werden Frauen und Männer auch in der Verfassung gleichgestellt. 1996 folgt das Bundesgesetz über die Gleichstellung von Frau und Mann, welches jegliche Art von Diskriminierung im Erwerbsleben verbietet.

Die Ausstellung im Landesmuseum Zürich zeigt das seit über 200 Jahren an- und abflauende Ringen um Frauenrechte in der Schweiz. Neben bedeutsamen Leihgaben aus Schweizer Institutionen präsentiert sie herausragende Zeugnisse aus internationalen Sammlungen. Audiostationen geben zahlreichen Frauen aus der Geschichte eine Stimme und laden dazu ein, bei den Debatten der jeweiligen Zeit «mitzuhören». Zwei bedeutende Installationen der Künstlerin Pipilotti Rist bilden den Auftakt und den Schluss der Ausstellung und geben ihr einen künstlerisch-installativen Rahmen.

Online-Vernissage am 4.3. um 18:30 Uhr mit Alt-Bundesrätin Ruth Dreifuss, Bundesrat Alain Berset und weiteren Gästen

Bilder

Wehrpflicht und Stimmrecht

Männer haben ein Stimmrecht unabhängig davon, ob sie Militärdienst leisten. Bis 1874 wurden nur rund 40 Prozent der diensttauglichen Männer eingezogen. Die militärische Abstinenz der Frauen wird oft als Argument gegen das Frauenstimmrecht ins Feld geführt. Sanitätsfahrerinnen des FHD, 1939–1945.

Schweizerisches Nationalmuseum

Protestaktionen

Enttäuscht von der Abstimmungsniederlage, protestieren Frauenrechtlerinnen in der ganzen Schweiz. Die Lehrerinnen am Basler Mädchengymnasium streiken. Sie bleiben dem Unterricht einen Tag fern. Dafür werden sie von der Mehrheit im Basler Parlament heftig gerügt.

Bettina Eichin (*1942), Gedenktafel zum Lehrerinnenstreik, 1999. Gymnasium Leonhard, Erziehungsdepartement Basel-Stadt, Basel.

Symbol für den Kampf

Bei ihren Auftritten tragen Ruth Dreifuss und Christiane Brunner Sonnenbroschen, die zum Symbol für ihren Kampf für Gleichberechtigung werden. Ruth Dreifuss erklärt sie damit, dass die Frauen, die lange im Schatten gestanden haben, jetzt ans Licht treten. Sonnen-Broschen, 1993, Blech.

Schweizerisches Nationalmuseum

Blick in die Ausstellung

Schweizerisches Nationalmuseum

Unkonventionelle Kleider

Frauen gestalten in den 1960er-Jahren die Protestbewegungen mit. Sie nehmen sich dabei die Freiheit, Bein zu zeigen, und weisen die Sexualisierung des Minirocks zurück. In der Hippiekultur werden kurze und lange Frauenröcke aus weichen Stoffen immer bunter.

(Kleid links) Damenkleid von Sybil Zelker, England, 1967, Rohseide. (Kleid rechts) Deux-Pièces, Oscar Rom, Zürich, um 1967, durchbrochener Stoff mit Lochmuster. Schweizerisches Nationalmuseum

Blick in die Ausstellung

Schweizerisches Nationalmuseum

Beflügelt

Die Flügelwesen der Schriftstellerin und Künstlerin Erica Pedretti symbolisieren Befreiung und entstehen, als die Frauenbewegung neue Emanzipationswege erprobt. Gleichzeitig erinnern die Flügel an das Ikarus-Motiv: Bei Höhenflügen droht immer auch der Absturz.

Erica Pedretti (*1930), Flügel, 1980, Bambus, Draht, Stoff, Latexfarbe. Bündner Kunstmuseum, Chur. Erica Pedretti (*1930), Flügel mit Kopf, 1979, Bambus, Transparent, Latexfarbe. Kunstsammlung der Stadt Biel.

Blick in die Ausstellung

Schweizerisches Nationalmuseum

Blick in die Ausstellung.

Ever is Over All, 1997, audio video installation by Pipilotti Rist.

Pipilotti Rist. Courtesy the artist, Hauser & Wirth and Luhring Augustine

Pressekontakt Schweizerisches Nationalmuseum

+41 44 218 66 63 medien@nationalmuseum.ch

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