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Lange Nacht der Museen 05.09.2026 10:00 - 17:00
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Alle anzeigenKriege erscheinen oft als ferne Ereignisse. Doch sie prägen auch die Geschichte und Gegenwart der Schweiz. Die Ausstellung «Wir und der Krieg» im Landesmuseum Zürich zeigt anhand eindrücklicher Objekte und Geschichten, wie Konflikte seit Jahrhunderten das Selbstverständnis, die Politik und den Alltag der Schweiz beeinflussen.
Kriege prägen die Gegenwart. Bilder aus der Ukraine, dem Nahen Osten oder anderen Weltregionen erreichen uns täglich über Nachrichten und soziale Medien. Sie machen deutlich, dass bewaffnete Konflikte nicht nur geografisch entfernte Ereignisse sind, sondern politische Debatten, gesellschaftliche Werte und persönliche Wahrnehmungen weltweit beeinflussen. Auch in der neutralen Schweiz sind Kriege Teil der eigenen Geschichte und Gegenwart.
Die Ausstellung beleuchtet in fünf Kapiteln, wie Kriege seit dem Spätmittelalter Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in der Schweiz prägen. Sie zeigt, wie Konflikte identitätsstiftende Prozesse auslösen, wirtschaftliche Abhängigkeiten verschieben oder soziale Spannungen verstärken. Dabei wird deutlich, dass Kriege nicht nur militärische Ereignisse sind, sondern weitreichende Auswirkungen auf Alltag, Kultur und politische Entscheidungen haben.
Ein Schwerpunkt liegt auf der Frage, wie Krieg das Selbstbild der Schweiz formte. Mythen um den Rütlischwur, Wilhelm Tell oder Arnold von Winkelried wurden über die Jahrhunderte zu symbolischen Erzählungen von Freiheit und Einigkeit. Gleichzeitig entstanden wirtschaftliche Verflechtungen durch Solddienste oder später durch die Rüstungsindustrie. Konflikte führten auch zu sozialen Veränderungen: Sie lösten wirtschaftliche Krisen und Protestbewegungen aus, beeinflussten Migration und verschieben Geschlechterrollen. Zugleich entwickelte die Schweiz politische Handlungsspielräume, etwa durch Neutralität, humanitäres Engagement und Friedenspolitik.
Zahlreiche historische Objekte machen diese Zusammenhänge sichtbar. Eine erstmals in der Schweiz gezeigte Tapisserie zur Schlacht bei Pavia von 1525 – eine äusserst kostbare Leihgabe aus Neapel – stellt etwa die Flucht eidgenössischer Truppen dar und hinterfragt damit den Mythos militärischer Unbesiegbarkeit. Drei unterschiedliche Darstellungen der Schlacht bei Murten (1476) – ein Historiengemälde, ein Schulwandbild und eine Fotografie des ehemaligen Schlachtfelds – zeigen, wie sich Erinnerung und nationale Deutung im Laufe der Zeit verändern.
Auch wirtschaftliche und gesellschaftliche Aspekte werden anhand von Exponaten deutlich: Mannschaftsrodel, Münzen und Entlassungsurkunden verweisen auf das Geschäft mit dem Solddienst, während Fotografien und Handbücher aus der Werkzeugmaschinenfabrik Oerlikon oder der Waffenfabrik Solothurn die Rolle der Schweizer Rüstungsindustrie im 20. Jahrhundert dokumentieren. Weitere Objekte – etwa ein Maschinengewehr und eine Gewerkschaftsfahne aus der Zeit des Landesstreiks von 1918, Uniformen aus dem Aktiv- und Frauenhilfsdienst oder Pläne und Fotografien militärischer Anlagen im Alpenraum – verdeutlichen, wie eng Krieg, Gesellschaft und Politik miteinander verflochten sind.
Den Abschluss bildet eine zeitgenössische Perspektive: In der Videoinstallation «Repeat after Me» ahmen ukrainische Geflüchtete die Geräusche von Schüssen, Artillerie und Sirenen nach. Die Besucherinnen und Besucher sind eingeladen, diese Klänge nachzusprechen – eine eindringliche Erinnerung daran, dass Krieg nicht nur Geschichte ist, sondern auch heute Erfahrungen prägt und Menschen bewegt.
Der interaktive «Neutralitätskompass» begleitet den Ausstellungsrundgang und lädt Besucherinnen und Besucher ein, ihre eigene Position zur Bedeutung der Neutralität zu reflektieren. In jeder Sektion beantworten sie Fragen und erhalten am Ende eine Auswertung ihrer Antworten sowie vertiefende Informationen zur Neutralität der Schweiz.
Das Rahmenprogramm ergänzt die Ausstellung um weitere Perspektiven. In Zusammenarbeit mit dem Kunsthaus Zürich beleuchtet eine Veranstaltung den Wandel der Erinnerungskultur in der Schweiz. Gemeinsam mit dem Forschungsprojekt «Ästhetisierung von Kriegsgewalt» (HKB) wird das Thema Gewalt vertieft. Zeitzeuginnen und Zeitzeugen teilen zudem ihre Erfahrungen zu Fluchtmigration, Peacekeeping und Kriegsfotografie.